
Förderbeispiele
Fischhaus Kittner, Ibbenbüren
Fisch ist ihre Leidenschaft
Nach ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Kreissparkasse Steinfurt traf Zessyka Grawenhoff-Kittner eine Entscheidung, die viele ihrer Freunde und Kollegen überraschte: Sie kehrte der Bank den Rücken und übernahm 1997 mit 22 Jahren den Fischhandel ihrer Eltern.
„Für mich ist es gut“, befand sie, „wenn ich keinen Vorgesetzten über mir habe.
“ Heute ist sie Chefin von zurzeit 38 Mitarbeitern und kann „tun, was möglich ist, ohne jemanden fragen zu müssen“. Im vergangenen Jahr haben sie und ihr Mann rund eine Million Euro in die Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens investiert.
Denn das alte Fischgeschäft mit Bistro befand sich in einer Seitenstraße ohne Laufkundschaft, das neue liegt in der Einkaufsmeile Ibbenbürens und wird stark frequentiert. Zudem wird im Laufe dieses Jahres direkt gegenüber ein großer Elektronikmarkt eröffnen. Das alte Produktionsgebäude wurde in gemieteten Räumen betrieben, das neue – zurzeit im Bau – wird mit 1.000 Quadratmetern Nutzfläche anderthalb Mal so groß und Eigentum des Fischhauses Kittner sein.
Dort entstehen die veredelten Fisch-Produkte, die Kittner zu einem Synonym für Frische und Qualität gemacht haben: Lachs in Orangenöl, Heringssalate in verschiedenen Geschmacksrichtungen, Frischkäsekugeln mit Räucherlachs, diverse selbst geräucherte Fische oder Lachslasagne mit Sauerkraut und Ananas. „Die Theke soll die Kunden immer wieder neu ansprechen, deshalb experimentieren wir gerne und bieten regelmäßig neue Produkte an“, sagt Zessyka Grawenhoff-Kittner. 40 Sorten Frischfisch, je nach Saison, finden die Kunden im Ladengeschäft und in den Verkaufswagen, die firmenintern „Kutter“ genannt werden und individuelle Namen tragen: Möwe, Nixe, Albatros und Seebär. Als verkaufsfördernd hat sich die mobile Räuchereinheit erwiesen: Selbst bei Regen warten die Kunden auf ihren warmen, frisch geräucherten Fisch. Wobei das wichtigste Produkt der mobilen Läden der Backfisch ist – mit einem Anteil von 15 Prozent am Gesamtumsatz von 1,7 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Wer sich schon mal gefragt hat, warum Rotbarsch-Filet mehr als 20 Euro pro Kilo kostet, sollte Folgendes bedenken: Geschäfte wie das Fischhaus Kittner kaufen ihre Ware auf den in Deutschland größten Hauptumschlagplätzen Bremerhaven und Cuxhaven ein. Dort werden Fische versteigert. Und wenn ein Trawler, der Fahrtkosten und Mannschaft bezahlen muss, weniger fängt als erwartet, dann muss er seine Kosten auf die geringere Fangmenge umlegen – der Preis steigt.
Transport und Kühlung bis Ibbenbüren schlagen ebenfalls zu Buche. Diese Kausalkette gilt auch für Thunfisch und Lachs, Seeteufel und Jakobsmuschel, Wildgarnele und Skrei, einen im Februar und März bei den Lofoten- Inseln gefangenen Kabeljau. Im Mai kommt die Scholle hinzu, im Juni der Matjes. „Mit Fisch bin ich in meinem Elternhaus aufgewachsen“, sagt Zessyka Grawenhoff-Kittner, „er ist meine Leidenschaft; niemals könnte ich Fleisch verkaufen.“ Mag sein, dass ihr diese Leidenschaft schon in die Wiege gelegt wurde. Geboren wurde die 38-jährige Unternehmerin im Sternzeichen Fische.
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